Kamchatka - Russland im Fernen Osten - Reisenotizen
Russland im Fernen Osten - Reisenotizen
Kamchatka, ein Land ganz im nordöstlichen Sibirien gelegen, 1500 km lang, größer als Frankreich, Belgien und Luxemburg zusammen, neun Zeitzonen und über 11000 km von Moskau entfernt. Und bis 1991 für Ausländer nicht zugänglich. In dieses Land soll unsere Reise gehen. Petropavlosk ist die Hauptstadt von Kamchatka, mit seinen 260 000 der insgesamt 310 000 Einwohner eine Hafenstadt mit monotonen Häuserblocks, in langen Reihen aneinandergebaut und aufgrund der seismischen Gefahren nicht mehr als fünf Stockwerke hoch. Die Wetterseiten der Häuser oft metallplattenisoliert, braunrostig von Regen und Schnee. Dazwischen wildwachsende Wiesen mit hüfthohem Gras und weißstämmigen Steinbirken. Unzählige Blechcontainergaragen stehen rostig im Wiesengrün. Die Straßen, mit ihren rechtsgesteuerten Automobilen, japanisch-nachbarschaftlich importiert, mit unzähligen Schlaglöchern und gesäumt von vielen Kiosken für all die nötigen und unnötigen Dinge des russischen Alltags.
Dazwischen, adrett, eine Neubausiedlung, eingezäunt, weiße Häuschen mit roten Ziegeldächern, kleine Gärten, gepflegter grüner Rasen, Blumenrabatte – das Ghetto der „Neuen Reichen“. Die Straße führt hinab zum Hafen in der riesigen Avachinskaya Bucht, eingeschlossen und geschützt gegen die Stürme draußen auf dem Pazifik und gegen die oft von Japan her.
Immer wieder haben wir von den früheren besseren Zeiten gehört, und viele ältere Menschen träumen davon, wieder versorgt zu werden wie zu Sowjet-Zeiten, zurück in die Arme des Staates, zwar wieder in die Abhängigkeit, dafür aber auch in die Sicherheit. Die Jüngeren dagegen schätzen heute die Freiheit und Selbstständigkeit und wissen, dass sie sie nützen müssen, um aus dem oft ärmlichen Dasein herauszufinden. Durch Eigeninitiative und Selbstbestimmung sehen sie für sich eine neue, eine bessere Zukunft.
© Marc Kollmuss (Fotos), H.G. Ruisinger (Text) Für den gesamten Text bitte kontaktieren Sie H.G. Ruisinger: ruisi@freenet.de
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