Ust-Barguzin
16 Juli 1999
"Für uns ist der Baikal ein Meer. Wenn man ihn einen See nennt, wird er zornig, und man bereut es schnell, ihn beleidigt zu haben.", berichtet Sergei, ein Fischer mit braungebranntem, ausgegerbtem Gesicht und tiefer, rauher Stimme. Sie fahren parallel zur Küste und werfen Meter für Meter das 1,2 Kilometer lange Netz ins Wasser. Zu essen gibt es, was gefangen wird. Immer Omul, der häufigste Fisch im Baikal. Mit geübte Sorgfalt werden die Fische mit den Händen auseinander genommen und gegessen. Die Fischer, ihre Frauen und alle Kinder und Familien am Strand packen das 1200 Meter lange Netz und ziehen es Stück für Stück von Hand ein. In genau dem Moment, in dem der Fangsack geleert wird, stürzen sich Kinder auf die Fische und klauen soviel sie können. "Es wäre verantwortungslos, alle Fische zu behalten. Die Leute hier haben keine Arbeit, sie würden sonst verhungern, was soll ich denn machen. Schliesslich haben ja alle mitgeholfen. Wir haben Glück, wir können arbeiten, und schliesslich gehört der Fisch im Baikal allen." Das Netz wird, bereit für den nächsten Auswurf, neu beladen. Mit grosser Sorgfalt wird zuerst das erste Zugseil, dann das Netz, und schliesslich das zweite Zugseil beladen. "Die Kunst liegt darin, das Netz so zu laden, das es sich beim Auswurf nicht verknotet" Mit lautem, regelmässig tuckerndem Dieselmotor fährt das graue, lotterige Fischerboot über diesen riesigen Baikal. Das grösste Süsswasserreservoir der Welt. Sein kristallklares Wasser könnte die gesamte Welt für 50 Jahre mit Trinkwasser versorgen. Sie erzählen von der Schönheit des Omuls, mit seinen grossen klaren Augen und seinem dunklen Rücken. Jeder hat eine besondere Art, ihn zuzubereiten. Hinten im Boot wird nach getaner Arbeit eine Flasche nach der anderen geöffnet und fleissig angestossen. Jetzt legal. Sie wollen mit uns auf den heutigen Tag anstossen. Ein Mal, zwei Mal, Drei Mal.
Für den gesamten Text kontaktieren Sie Marc Kollmuss: marc@tmwork.com
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