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Cherlak



Das Leben in einem kleinen russischen Dorf

Valoda & Nina leben in Cherlak, einem kleinen Dorf 160 km nördlich von Omsk, im breiten flachen Tal des Flusses Irtisch, der in schlangenförmigen Kurven langsam nach Norden fliesst, um sich schliesslich in die Ob zu werfen.
Valoda war früher Fahrzeugmechaniker in der Fabrik für Bewässerungsmaschinen, bis sie vor drei Jahren zugemacht hat. Jetzt verbringt er seine Zeit zuhause und hilft Nina bei der Hausarbeit.
Teilen, was man hat, eine bei uns schon lange verlorene Eigenschaft, ist in Sibirien Regel. Keiner hat Geld, es kann nicht bezahlt werden. Ein reger Tauschhandel entsteht, man verschenkt denen, die noch weniger haben.
Seit der Demokratisierung von Russland, also in den letzten 7-8 Jahren, wird das Überleben immer schwieriger. Die Löhne blieben immer mehr aus, aber die Menschen arbeiteten weiter, in der Hoffnung auf bessere Zeiten. Schliesslich mussten die Fabriken, Minen, landwirtschaftlichen Betriebe mangels Abnehmer schliessen. Es war keine Arbeit mehr vorhanden.
Nina sagte mir: "Weisst du, sie kennen das neue System der Freiheit nicht. Sie fühlen sich vom Staat, der sie immer versorgt hat, vergessen. Sie können sich nicht frei fühlen, weil sie es nicht gelernt haben. Es wurde ihnen verboten. Das System hat sich geändert, jeder muss jetzt für sich selber sorgen, sich selber Arbeit suchen, was ihnen grosse Schwierigkeiten bereitet, denn auch das haben sie nicht gelernt. Sie fühlen sich im Stich gelassen, und es ist ihnen bewusst, dass in Moskau niemand an sie denkt, und dass jeder Politiker nur in seine eigene Tasche arbeitet"


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